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Wenn digitaler Wandel auf COBOL trifft

Ein modernes Bestandsführungssystem ist ein elementarer Erfolgsfaktor für die Digitalisierung in der Versicherungsbranche.

 

Die zunehmende Erwartung der Kunden, auch bei ihren Versicherungen umfassende digitale Dienstleistungen rund um die Vertragsverwaltung vorzufinden, sowie die Notwendigkeit, die Vertriebspartner digital anzubinden und der stetig steigende Kostendruck aufgrund der Niedrigzinsphase (1) führen in der Assekuranz zu einem Zielkonflikt in der langfristigen IT-Bebauung. Eine moderne und leistungsfähige IT ist Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Versicherer und gleichzeitig ein hoher Kostenfaktor.

 


Immer deutlicher zeigen sich auch neue Herausforderungen durch den Fachkräftemangel und die Überalterung der IT-Belegschaft (2). Diese führen dazu, dass sich für Pflege und Wartung, geschweige denn Weiterentwicklung der Altsysteme kaum Nachwuchskräfte finden, während die altgedienten COBOL-Entwickler nach und nach ins Rentenalter kommen, sodass die Betriebskosten für die alten Host-Anwendungen nicht nur steigen, sondern die Systeme an sich immer mehr zum Betriebsrisiko werden. Die Branche kann daher nicht wie in den vergangenen Dekaden die Herausforderungen mit einem Mehr an Personal lösen, sondern muss seine Reihen in den kommenden Jahren sogar mehr oder weniger stark lichten (3).

Zudem sind die Produkte heutzutage komplexer und individualisierbarer, gleichzeitig die Produktentwicklungszyklen kürzer als zu den Zeiten, in denen die COBOL-Systeme entwickelt wurden. So lassen sich moderne Produkte oder gar Bündelprodukte nur schwer oder gar nicht in den vor über 20 Jahren konzipierten Host-Systemen abbilden. Auch an die Anbindung von Kooperations- und Vertriebspartnern sowie Dienstleistern hat seinerzeit noch niemand gedacht. Offene Schnittstellen für den Datenaustausch existieren daher in diesen Systemen nicht und lassen sich auch nicht ohne weiteres nachträglich einbauen.

Darüber hinaus führt die alleinige Fokussierung auf eine gesteigerte Dunkelverarbeitungsquote, um mehr in den Aus- und Umbau der IT bzw. den Kundenservice zu investieren, nicht zum gewünschten Erfolg. So konnte die Dunkelverarbeitungsquote im Bereich SHUK/Unfall branchenweit von 2016 auf 2017 zwar um 2,9% gesteigert werden, liegt jedoch insgesamt nur bei 22,5%. (4)

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, stellen immer mehr Gesellschaften ihre teils monolithischen und über Jahrzehnte gewachsenen Bestandssysteme auf den Prüfstand. Einige Unternehmen haben sich in der Vergangenheit bereits für den Ersatz ihrer Bestandssysteme entschieden (5) oder planen derzeit entsprechende Vorhaben.

 

Hierbei haben sich die nachfolgenden Eigenschaften eines Bestandssystems als Erfolgsfaktoren für die Zukunft herausgestellt.

 

1. Modularisierung

Einen Monolithen durch einen anderen zu ersetzen, führt nicht zum Ziel. Sinnvoll erscheint es daher, in einem neuen Bestandssystem nur das weiterzuführen, was tatsächlich der zukünftigen IT-Landschaft zuträglich ist. Eine Modularisierung ermöglicht es, im Zielsystem nur zweckmäßige Bestandteile einzusetzen.

 

2. Leichte Konfiguration

Die Bereitstellung der erforderlichen Module nimmt üblicherweise nicht den größten Teil der Projektlaufzeit ein. Vielmehr ist die Anpassung der Module an die speziellen Anforderungen des Versicherers der Aufwandstreiber. Die Konfiguration der Zielanwendung sollte daher einfach sein und idealerweise durch eigene Mitarbeiter erfolgen können. Zuvor sollten die Prozesse global harmonisiert und konsolidiert werden, um Individualisierungen zu minimieren und damit künftige Wartungskosten nicht in die Höhe zu treiben.

 

3. Offene Schnittstellen

Das neue Bestandssystem muss üblicherweise seine Aufgabe in einer bereits bestehenden IT-Landschaft erfüllen. Vorhandene Schaden-, Vertriebssteuerungs- und Inkassoanwendungen werden möglicherweise gar nicht oder erst später ausgetauscht. Erfolgsfördernd sind dann offene und tolerante Schnittstellen. Ansonsten muss mit erheblichem Investitionsaufwand in die Anbindung existenter Anwendungen gerechnet werden. Auch die Schnittstellen zu externen Partnern spielen im Zeitalter der Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Die Schnittstellen sollten daher bestehende Branchenstandards, wie z. B. BiPRO, unterstützen.

 

4. Konsequent moderne und verbreitete Technologie

Die eingesetzte Technologie eines Unternehmens ist eine wichtige Facette bei der Beschaffung von Fachkräften. Setzt ein Versicherer auf bewährte, aber an den (Fach-) Hochschulen nicht vorrangig gelehrte Programmiersprachen, wird die Suche nach Experten zum kostspieligen Unterfangen. Gleiches gilt, wenn die eingesetzte Programmiersprache des zukünftigen Bestandssystems zwar modern ist, jedoch ansonsten keine Akzeptanz im Markt hat. Ein Risiko durch die Abhängigkeit von der eingesetzten Technologie einzugehen, muss dann wirtschaftlich gut vertretbare Gründe haben.

 

5. Partner auf Augenhöhe

Was nutzt es, wenn Sie bei der Anbieterauswahl auf ein reines Scoring-Verfahren für die Softwareeigenschaften gesetzt haben, jedoch später auf Projektebene nicht mit dem Anbieter harmonisieren? Oder es stellt sich heraus, dass die geforderten Produkteigenschaften gar nicht in der ausgelieferten Software vorhanden sind. Wir empfehlen daher ein verkürztes RFI/RFP-Verfahren, um rasch mit den Short-List-Kandidaten ins Gespräch und in Workshops zu gehen. Nur so erhalten Sie ein Gefühl dafür, ob der Anbieter für Ihr Unternehmen tatsächlich der passende Partner ist.

 

Bei der Auswahl der richtigen IT-Landschaft stehen die Versicherer daher vor einer großen Aufgabe. Um die 30 Unternehmen bieten auf dem deutschen Markt verschiedenartig umfangreiche und verbreitete Lösungen für die Bestandsführung an (6). Zusätzlich ist das Angebot je nach Sparte sehr unterschiedlich. So bietet der Großteil der Anbieter die Verwaltung von Kompositverträgen an. Die Verwaltung von Lebens- und Krankenversicherungsverträgen hingegen trauen sich nur wenige Anbieter zu. Betrachtet man zusätzlich die Marktverbreitung der jeweiligen Produkte, dünnt sich das Feld auch in Komposit sogar noch deutlicher aus.

 

FINCON unterstützt Sie als neutraler Partner an Ihrer Seite im unübersichtlichen Markt der Bestandsführungssysteme in den wichtigsten Phasen der Anforderungserhebung, Marktanalyse, dem Anbieterwettbewerb und der anschließenden Anbieterauswahl. Auch im anschließenden Implementierungsprojekt unterstützen wir Sie mit unserer fachlichen, technischen und methodischen Expertise. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zu sprechen.

 

Die Autoren des Artikels sind Kai Alexander Hanus und Sabrina Zoller.

 

Kai Alexander Hanus ist Principal Consultant im Kompetenzcenter Business Consulting des Geschäftsbereichs Versicherungswirtschaft und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in IT-Projekten der Versicherungsbranche.

 

Sabrina Zoller leitet das Kompetenzcenter Business Consultant bei der FINCON Unternehmensberatung GmbH und ist seit über zwanzig Jahren in unterschiedlichen Projekten der Versicherungswirtschaft tätig.

 

 

1) „Herausforderungen der Niedrigzinsphase für die Finanzpolitik“, Seiten 9-14, Bundesministerium der Finanzen, Mai 2017

2) „IT-Kennzahlen 2016 – 2018“, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin

3) Bericht der Zeitung „Wirtschaftswoche“: „Der große Kahlschlag kommt noch“ https://www.wiwo.de/unternehmen/versicherer/versicherungswirtschaft-der-grosse-kahlschlag-kommt-noch/19973728.html - abgerufen 13.02.2019

4) „IT-Kennzahlen 2013-2015“, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin

5) https://www.assekuranz-info-portal.de/presse/versicherungen/2017/01/generali-setzt-auf-adesso-produkt-als-bestandssystem-fur-die-lebensversicherungssparte/#, www.it-finanzmagazin.de/kernversicherungssystem-zurich-gruppe-steigt-auf-guidewire-insurancesuite-um-27472/

6) FINCON-Bestandssystemerhebung 2018

 

 


 

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