CloudMaschinenraum goes Cloud und SaaS

Zieht es nach den Banken jetzt auch Versicherungen weg von der Eigenentwicklung?

Digitalisierung ist und bleibt in aller Munde, und auch viele Versicherer unternehmen enorme Anstrengungen, um mit den gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen Schritt zu halten. Ein großer Teil dieser Digitalisierungsstrategien in der Versicherungswirtschaft befasst sich dabei mit der Modernisierung der Anwendungslandschaft. Insbesondere die Ablösung der in die Jahre gekommenen Eigenentwicklungen von Bestands- und Kernsystemen, mit Programmierungen beispielsweise in COBOL, stehen aufgrund der hohen Betriebs- und Wartungskosten ganz oben auf der Agenda.

Aktuell ist die FINCON im Auftrag von fünf Versicherern in Evaluationsprojekten bezüglich Kernsystemen aktiv und berät Kunden unabhängig und objektiv mit einer ganzheitlichen Marktsicht. Im Rahmen dieser Projekte zeigt sich nicht nur die unterschiedliche fachliche Abdeckung und Herangehensweise, sondern auch eine starke Nachfrage der Versicherungsunternehmen nach Cloud-Fähigkeit und SaaS-Betrieb. Cloud und SaaS stehen v.a. deshalb hoch im Kurs, da viele Häuser sich im Rahmen der Projekte Know-how und Erfahrungen mit diesen Betriebsmodellen und den dazugehörigen Technologien ins Haus holen und/oder aufbauen wollen. Und oft ist es so, dass sie aktuell aus Ressourcen-Gründen nicht in der Lage sind, aus eigenen Stücken die ausgerufene „Cloud-First“-Strategie umzusetzen.

Aufgrund der Komplexität gibt es z.B. im Bereich Leben nur wenige Anbieter, die fachlich die Anforderungen des deutschen Marktes abdecken – hier tun sich internationale oder globale Player sehr schwer. In Komposit gibt es einerseits einige Anbieter mehr, diese bedienen dann aber andererseits teilweise komplexere Themen wie KFZ oder KFZ-Flotte nicht oder haben noch nicht alle Geschäftsvorfälle abgedeckt. Dazu kommt, dass die einen Anbieter klar einen Standardsoftware-Ansatz mit Releasefähigkeit etc. anbieten, andere wiederum eher Komponenten oder Frameworks für Individualprojekte im Portfolio haben. Auch die angebotenen Betriebsmodelle variieren je nach Anbieter zwischen ausschließlich On-premises bis hin zu ausschließlich SaaS.

Die beiden Punkte - Cloud-Fähigkeit und SaaS-Betrieb - sind neben dem klar erkennbaren Trend „weg von Eigenentwicklung“, dem aktuellen Marktüberblick sowie der Verfügbarkeit der Ressourcen bei den Anbietern (sprich Lieferfähigkeit) mit die Haupterkenntnisse aus unseren aktuellen Projekten.

Wie lassen sich diese Trends erklären und welche Folgen können daraus abgeleitet werden?

Zum einen spüren die Gesellschaften, dass sie nicht in der Lage sind, aktuelle Technologien im eigenen Haus On-premises zu betreiben, da die Erfahrung, das Know-how, der Umgang mit regulatorischen und rechtlichen Anforderungen in diesem Zusammenhang, aber auch der Umgang mit Anbietern wie AWS, Azure, Google etc. fehlen. Viele Häuser sind entweder durch notwendige Modernisierungen aufgrund von Investitions- und Ressourcen-Staus (u.a. wegen fehlender Budgets in den letzten Jahren, Demographie des IT-Personals, Fusionen), aber auch wegen fehlender Expert*innen nicht in der Lage, diese Staus aufzulösen und sich um notwendige neue Systeme zu bemühen.

Auch ist es nicht einfach, Cobol-Entwickler*innen kurzfristig auf neue Technologien umzuschulen – wenn es denn aufgrund der Demographie überhaupt noch Sinn macht. Denn „Reaktivierung“ aus der Rente, Ausbildung von neuen Kolleg*innen in Cobol oder Umschulungen sind schwierig und lösen das Problem der veralteten Technologien nur für kurze Zeit. So zeigen z.B. viele Beispiele, dass Umschulungen von Cobol-Entwickler*innen auf Java nur zu ca. 40 % gelingen.

Um mehr Flexibilität zu gewinnen und die Möglichkeit zu haben, auf Zusatzservices in der Cloud zuzugreifen, haben bereits viele Häuser eine „Cloud first“-Strategie – bloß, wie soll diese aufgrund der oben beschriebenen Situation umgesetzt werden?

Die Lösung können neue Anwendungen für Bestand und Schaden/Leistung sein, die von Beginn an Cloud-fähig sind. Aufgrund fehlender (freier) Expertise im eigenen Hause, soll dadurch auch direkt der Betrieb „extern“ übernommen werden. Diese Nachfrage schlägt sich bereits im Angebotsportfolio einiger Anbieter nieder.

Aber auch hier zeigen sich die nächsten Herausforderungen.

Kernsysteme stehen bekannterweise nicht isoliert in der Anwendungslandschaft eines Versicherers. Also ist eine Tiefenintegration des in der Cloud betriebenen Kernsystems mit den On-premises-betriebenen anderen Anwendungen (z.B. Partnersystem, Provision, In – Exkasso, Drucksystem etc.) notwendig. Dies ist nicht nur technologisch eine Herausforderung, sondern auch aufgrund von Security und Datenschutz. Technologisch, z.B. bezüglich der unterschiedlichen Schnittstellentechnologien, Systemverfügbarkeiten, Performance/Latenz und v.a. auch fehlender Erfahrung in solchen Integrationen. Die Herausforderungen in der Security liegen in wenig vorhandenen oder unterschiedlichen Konzepten bei Anbieter und Versicherung. Im Bereich Datenschutz geht es v.a. um Governance-Themen und den richtigen Umgang mit personenbezogenen Daten sowie den vertraglichen Regelungen zwischen Cloud-Betreiber und der Versicherung.

Um unsere Kunden in all diesen Punkten nicht allein zu lassen, unterstützen wir mit unserem FINCON Evaluations-Framework für Bestands- und Kernsysteme für alle Sparten. Neben dem breiten und aktuellen Marktwissen zu den Anbietern bietet dieses Framework u.a. Anforderungskataloge und Bewertungsraster, die - zugeschnitten auf die jeweilige Situation - die beste Basis für eine erfolgreiche System- und Partnerauswahl bilden.

Denken Sie auch über die Erneuerung Ihres Bestandssystems nach und möchten sich mit FINCON-Expert*innen über die Möglichkeiten sowie Vorteile und Herausforderungen austauschen? Dann können Sie ganz einfach Kontakt zu Ihrem Ansprechpartner René Vogel aufnehmen.


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